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Lupe Der Hamster Vormagen - Verdauungssystem eines Überlebenskünstlers

 

1) Vorwort

Seit über 70 Jahren findet man den Syrischen Goldhamster Mesocricetus auratus nicht nur in seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, sondern auch in den Wohnstuben aller Welt. Dort herrschen für unseren kleinen Freund nicht immer ideale Ernährungsbedingungen vor: Viele Fertigfuttermischungen für Hamster berücksichtigen nicht, dass die kleinen Nager Gemischtköstler sind, und daher auch einen bestimmten Teil an tierischem Eiweiß in ihrer Ernährung benötigen. Selbst eine veganische Ernährung - also ganz ohne tierisches Eiweiß (wie man es z.B. in Quark, Joghurt oder Fleisch findet) - lässt den Hamster erst relativ spät erkranken. (Die meisten Hamsterfutter sind veganisch zusammengesetzt!). Aber auch der Rohfaseranteil, das Calcium/Phosphor-Verhältnis und ein ausgewogener Anteil an fettlöslichen Vitaminen und Mineralstoffen werden beispielsweise oft gar nicht berücksichtigt.

Viele Heimtiere würden bei solcher Vernachlässigung schnell krank werden und man sähe ihnen die mangelhafte Ernährung am Fell und an der verminderten Vitalität binnen kürzester Zeit an. Die Hamster aber haben ihren Weg in die Stuben der Nagerfreunde ungebremst fortgesetzt. Was macht die Tiere zu solchen Überlebenskünstlern?

 

 

2) Aufbau des Hamstermagens

 

Im Gegensatz zu den Mägen der meisten Säugetiere ist der Hamstermagen durch einen Ringmuskel in zwei Abschnitte geteilt. Der Ringmuskel reguliert den Transport der Nahrung zwischen den beiden Magenhälften. Der erste Abschnitt erfüllt eine Sonderfunktion auf die später eingegangen wird und wird als Vormagen bezeichnet.

 

Das mikroskopische Erscheinungsbild des zweiten Magenabschnitts gleicht dem von Tieren mit einhöligem Magen (wie zum Beispiel bei Farbmäusen). Die funktionelle Bedeutung des Vormagens ist nicht lebensnotwendig, da die im Magen gewonnene und umgewandelte Energie nicht verringert wird wenn man den Vormagen entfernt. Trotzdem bietet der Vormagen wesentliche Vorteile bei der Verwertung minderwertigen Futters.

 

 

3) Warum der Vormagen?

 

Im Hamstervormagen schließen Kleinstlebewesen (Mikroorganismen) die Nahrung auf. Dazu bleibt die Nahrung für etwa eine Stunde im Vormagen. Mit Hilfe der Mikroorganismen wird der Zelluloseabbau* überhaupt erst möglich, da Säugetiere keine körpereigenen zellulosespaltenden Enzyme besitzen. Die wichtigsten Endprodukte dieses mikrobiellen Zellulose- und Kohlenhydratabbaues sind die kurzkettigen Fettsäuren: Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure. Diese kurzkettigen Fettsäuren werden schnell resorbiert und sind eine wichtige Energiequelle für den Stoffwechsel der Tiere.

 

*(Zellulose ist der Hauptbestandteil der pflanzlichen  Zellwände)

 

Durch die Vormagenverdauung sind die Hamster deshalb Tieren ohne Vormagen im Vorteil, denn das in den Vormägen gebildete mikrobielle Eiweiß ist hochwertig. Es enthält wahrscheinlich alle für das Tier essentiellen, also lebensnotwenigen, Aminosäuren, die der Körper nicht selbst herzustellen vermag. Dieses hochwertige mikrobielle Protein fließt aus den Vormägen ab, es wird dann im Dünndarm abgebaut und als Aminosäuren in die Blutbahn aufgenommen. Seine Qualität ist weitestgehend unabhängig von der Qualität der Futtereiweißstoffe, da alle Aminosäuren von den Mikroorganismen im Vormagen hergestellt werden können.

 

Mangelzustände durch fehlende essentielle Aminosäuren im Futter, wie wir sie bei Tieren mit einhöligem Magen kennen, kommen bei den Hamstern deshalb fast niemals vor.

 

Die Mikroorganismen im Vormagen können darüber hinaus die meisten wichtigen wasserlöslichen Vitamine bilden; diese werden später in die Blutbahn aufgenommen.

 

 

4) Schlusswort

Die Existenz und Funktion des Vormagens beim Hamster ist kein Garant für gesunde Tiere die minderwertig ernährt werden. Eine ausgewogene Ernährung mit qualitativ hochwertigem Hamsterfutter sollte nach wie vor des Hamsterhalters Ziel sein. Denn nur dann hat man lange Freude an einem gesunden und vitalen Hausgenossen.

 

Ein weiteres interessantes Thema in der Ernährung, insbesondere von Teddyhamstern, sind Haarballen die bei der langhaarig gezüchteten Form des Goldhamsters zum Darmverschluss führen können. Hier sollte man nicht nur bei der Fütterung sondern auch bei der Pflege der Tiere einige Dinge beachten. Mehr Informationen zu den sogenannten Trichobezoaren finden Sie auf

www.teddyhamster-futter.de/trichobezoare.htm

 

 

 

 

 

                 

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  Die Texte wurde 1998 im Rahmen einer Arbeit an einer Informationsbroschüre für eine Zoohandlung geschrieben und überarbeitet.
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